Hamed Abdel-Samad: Die Folge von Islamfeindlichkeit im Westen

Hamad Abdel-Samad

Lesezeit: 2 Minuten

Experten behaupten, Islamismus und Antisemitismus unter Muslimen seinen eine direkte Folge von Islamfeindlichkeit im Westen? Wirklich? Dann muss der Islamismus und der Antisemitismus ja in Pakistan, Iran, Marokko und Indonesien und den restlichen 54 islamischen Staaten bald verschwinden, denn dort gibt es bekanntlich keine Islamfeindlichkeit. Dort gibt es diese Phänomene aber schon lange, bevor muslimische Migranten sich auf den Weg nach Europa machten.

Wir erleben eine gefährliche Entwicklung in der Wissenschaft und in vielen Zeitungen. Auf der einen Seite investiert Katar, saudische Milliardäre und die Türkei viel Geld, finanzieren viele Studien und ganze Forschungszentren im Westen, um das Thema “Islamophobie” salonfähig zu machen. Das tun sie nicht um die Muslime im Westen vor Hass und Ausgrenzung zu schützen, was natürlich ein legitimes Ziel ist, sondern um dubiöse Projekte des politischen Islam ohne Gegenwind zu forcieren. Auch viele Journalisten beteiligen sich gerne an diesem Projekt.
Auf der anderen Seite machen manche jüdische Aktivisten und Intellektuelle komische Allianzen mit den Islamverbänden und Al-Ahmadiyya-Gruppe und sogar mit Erdogan-Anhängern, um als tolerant und dialogbereit zu erscheinen. Oder vielleicht haben sie andere Motive, die ich nicht kenne. Vielleicht glauben sie tatsächlich, dass sie dadurch Juden vor Judenfeindlichkeit schützen können. 

Ich würde da sofort bei dieser Islamophobie-Kampagne mitmachen, wenn tatsächlich am Ende normale Muslime davon profitieren würden. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Erpressungsmechanismus hinter dem Begriff Islamophobie will Kritik am politischen Islam unterbinden, damit Akteure des politischen Islam ungestört ihre Pläne fortsetzen. Das wird aber Muslime vor Hass nicht schützen, sondern noch mehr Hass gegen sie schüren!


Auf einer dritten Ebene herrschen in Lehrstühlen und den Redaktionen vieler Zeitungen links sozialisierte Wissenschaftler und Journalisten, die den postkolonialen Diskurs, die Multikulti-Ideologie und die Schuld des Westen gegenüber der Dritten Welt als Basis ihrer Arbeit sehen. Wir merken, dass der Begriff Islamismus in der Wissenschaft langsam verschwindet und mit “religiös motivierter Extremismus” ersetzt wird. Auch bei vielen Redaktionen ist der Begriff mittlerweile unerwünscht. Auf der anderen Seite taucht der Begriff “Islamophobie” immer häufiger auf und wird als Erklärung für viele Phänomene verwendet, mit der er nichts zu tun hat. Islamkritik gibt es in der Wissenschaft und in vielen Zeitungen dagegen so gut wie nicht mehr. An Universitäten wollen Studenten mit Islamkritikern gerne diskutieren, aber die Unis untersagen ihnen, solche Veranstaltungen durchzuführen. Bei vielen Schulen ist es nicht anders. Auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung und den politischen Stiftungen ist Islamkritik ein Tabu. Dagegen kann jeder Muslimbruder oder Erdogan-Anhänger seine intellektuellen Perlen dort präsentieren. Facebook und Twitter sind extrem schnell bei der Löschung islamkritischer Inhalte, und extrem langsam wenn es um islamistische Hass-Posts und Propaganda geht. 


Wo sonst sollte man kontroverse Themen diskutieren wenn nicht an Unis, Schulen, in der Bundeszentrale und bei den politischen Stiftungen? Wo sonst sollte man darüber schreiben wenn nicht in linken Zeitungen, die gerne kirchenkritische Artikel und Jesus- Karikaturen veröffentlichen? Und selbst bei den sozialen Netzwerken, die früher mehr Meinungsfreiheit versprachen, wird es immer enger. 

Die Freiheit stirbt nicht Übernacht, sondern Schritt für Schritt! Wehret den Anfängen! Und erzählt mir später nicht, dass ihr davon nichts gewusst habt!

Titelbild: Norbert Zerr

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