Wider die Gender-Sprachpolizei

Lesezeit: 3 Minuten

1984: von George Orwell: “»Begreifst du denn nicht, daß Neusprech nur ein Ziel hat, nämlich den Gedankenspielraum einzuengen? Zu guter Letzt werden wir Gedankendelikte buchstäblich unmöglich machen, weil es keine Wörter mehr geben wird, um sie auszudrücken. Jeder Begriff, der jemals benötigt werden könnte, wird durch exakt ein Wort ausgedrückt sein, dessen Bedeutung streng definiert ist und dessen sämtliche Nebenbedeutungen eliminiert und vergessen sind” Roman von G. Orwell 1984

Ein Gastbeitrag von Tobias Tobler

Was liegt näher, als sich anlässlich des diese [vergangenen] Woche[n] zelebrierten Frauentags einmal der allgegenwärtigen und immer aggressiver auftretenden Sprachpolizei zu widmen. Wer die Konstruktion der deutschen Sprache nicht versteht, widmet sich offensichtlich im Rahmen seiner bescheidenen Möglichkeiten der Erschaffung einer gendergerechten Sprache, die immer seltsamere Blüten treibt. So taucht z. B. in der deutschen Straßenverkehrsordnung seit 2013 der Begriff “Fußgänger” nicht mehr auf, sondern dieser wird ersetzt durch “zu Fuß Gehende”. Sonst käme womöglich noch jemand auf die Idee, es könnten nur Männer gemeint sein.

Lange schon gibt es nicht mehr das Wort “Studenten” an deutschen Unis, dieser wurde durch “Studierende” ersetzt und so gibt es natürlich auch keinen “Studentenrat” mehr oder das “Studentenwerk”, sie sind jetzt der “Studierendenrat” bzw. das “Studierendenwerk”. Dabei zeigt sich gerade hier der Unfug, den diese Sprachpanscher betreiben. Ein Studierender ist jemand, der gerade etwas studiert, z. B. ein Buch in der Bibliothek. Ein Student ist jemand, der an der Uni eingeschrieben ist und er ist das auch, wenn er gerade nicht studiert, sondern in der Kneipe sein Bier trinkt oder im Bett liegt und schläft.

Nach der Logik der Gender-Sprachpolizei dürften wir dann Sportler, die die Sportart Laufen betreiben, auch nicht mehr Läufer nennen, sondern Laufende. Es dürfte vor dem Start eines großen Volkslaufes mit Tausenden von Teilnehmern; Männern, Frauen und Kindern also politisch korrekt nicht mehr heißen: “Die Läufer stehen an der Startlinie.” Es müsste vielmehr heißen: “Die Laufenden stehen (!) an der Startlinie.” Die Laufenden stehen also. Für Genderisten mit eher begrenztem Sprachverständnis kein Widerspruch.

Doch da gibt es dann ein zweites Problem. Da manche Frauen heute auf die Idee kommen, wenn es im Plural “Läufer” heißt, seien sie nicht gemeint, sollten wir Männer uns dann nicht auch darüber echauffieren, dass der den Plural kennzeichnende Artikel “die” mit dem Artikel identisch ist, der im Singular die weibliche Form kennzeichnet? Also Singular “der Läufer”, “die Läuferin” und Plural “die Läufer” bzw. nun “die Laufenden”? Das ist doch eine klare Ausgrenzung der Männer! Zudem gibt es ja noch Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen. Sie können seit kurzem “divers” als Geschlechtskennzeichnung in den Pass eintragen lassen. Wo finden die sich in dem Satz “Die Laufenden stehen an der Startlinie”? Daher plädiere ich dafür, Nägel mit Köpfen zu machen. Politisch korrekt müsste es nun also heißen: “Das Laufende steht an der Startlinie.” Wunderschön, oder?

Übrigens, wer sich “auf dem Laufenden” halten will, immer mehr Menschen geht das “Gendern” der Sprache offensichtlich auf die Nerven. So sind gerade zwei Unterschriftenaktionen ins Leben gerufen worden (hier und hier), um gegen diese Verhunzung der deutschen Sprache zu protestieren. Die Zahl der Unterzeichner der beiden Initiativen wächst rasant. Vielleicht lässt sich die deutsche Sprache doch noch vor dem Genderwahn retten?

  • dieser Beitrag erschienen zuerst auf https://www.fischundfleisch.com/tobias-tobler/wider-die-gender-sprachpolizei-54715 und wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors Tobias Tobler hier veröffentlicht.
  • Titelbild: Pixabay License – Freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig.


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